LINZ – Zeit ist Hirn, das ist in der Schiaganlaiimerrsorrgung die wichtigste Implikation. Vor 5 Jahren begann das Land Oberösterreich mit der OÖGKK und anderen Gesundheitspartnern ein Pil tprojekt, um für Insultpatienten wertvolle Minuten zu gewinnet. Nun wurden erste Daten veröffentlicht, die sich sehen lassen können.

Das Reformpool-Projekt „Integrierte Versorgung Schlaganfall in Oberösterreich", kurz IVSOÖ, optimierte systematisch die Zusammenarbeit zwischen den Partnern in den Bereichen Erstversorgung, Transport, Krankenbehandlung, Rehabilitation und Nachbetreuung. Vorausgegangen ist dem 2007 lancierten Projekt eine umfassende Analyse. Diese führte dazu, hauptsächlich an den Nahtstellen zwischen Professionen, Sektoren und Regionen entsprechende Maßnahmen zu setzen. Beispielsweise schlossen periphere Spitäler Kooperationsverträge mit Krankenanstalten ab, an denen es Stroke Units gibt, und Neurologen und Internisten verstärkten ihre Zusammenarbeit. Auch die Übergabe zwischen Notfalltransport und Spital wurde verbessert. Ziel war, das viereinhalbstündige Zeitfenster für eine Lyse, sofern sie indiziert ist, möglichst früh zu nutzen, um Sterblichkeit bzw. bleibende Behinderungen hintanzuhalten.

Durch die bessere Abstimmung der gesamten Rettungskette kletterte innerhalb der letzten fünf Jahre der Anteil der Lyse-fähigen Schlaganfallpatienten von 9,2 auf 15 Prozent. Das sei international ein sehr guter Wert, wie es Anfang April bei der Präsentation der bisherigen Projektergebnisse hieß. Zum Vergleich: Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Schlaganfallregister wies für 2010 eine Lyse-Rate von 13,6 Prozent aus. Daten aus England, Wales und Nordirland geben eine LyseRate von zehn Prozent an. In den USA wurden 2009 nur 3,7 Prozent der Schlaganfallpatienten rechtzeitig lysiert. Die höchsten Werte haben einzelne deutsche und holländische Spitzenkliniken, sie kommen sogar auf rund 20 Prozent.

Viel Informationsarbeit bei Älteren

Entscheidend für eine weitere Erhöhung des Anteils der Lyse-fähigen Patienten sei, dass die Betroffenen im Notfall so rasch wie möglich ärztliche Hilfe suchen, auch wenn die Symptome wieder vergehen, betonen OÖGKK-Direktorin Mag. Dr. ANDREA WESENAUER und VP-Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Dr. JOSEF PüHRINGER unisono. „Die Schlaganfallversorgung ist ein Kampf gegen die Uhr. Um für die Betroffenen lebensnotwendige Minuten zu gewinnen, bedienen wir im Rahmen von IVSOÖ zwei unterschiedliche Hebel", erläutert Dr. Wesenauer. Neben der Optimierung des medizinischen Versorgungsprozesses durch eine gemeinsame Qualitätssicherung werde auch auf die Aufklärung und Information der Bevölkerung gesetzt.

Von Beginn an gab es daher immer wieder Informationsoffensiven, um die Oberösterreicher zu sensibilisieren. Da fast zwei Drittel der Schlaganfallpatienten über 70 Jahre alt sind, wurden mehr als 110.000 Info-Folder unter dem Motto „Wissen. Erkennen. Handeln“ an ältere Menschen verteilt. Darin finden sich einfache Beschreibungen, wie ein Hirninfarkt erkannt werden kann und was im Notfall zu tun ist. In Oberösterreich erleiden jährlich rund 4000 Menschen einen Schlaganfall, bundesweit sind es etwa 20.000.

Seit 2011 liefert das Projekt als IVSOÖ-Register auch entsprechende Daten für die Qualitätssicherung in Oberösterreich. Zukünftig werden diese Daten auch für wissenschaftliche Analysen zur Optimierung der  Versorgung von Schlaganfallpatienten verwendet. Für den gesamten Versorgungsprozess gibt es Kennzahlen, so z.B. wie viel Zeit vom Verständigen der Rettung bis zur KH-Aufnahme oder bis zum Einleiten der Lyse benötigt wird. „IVSOÖ ist geprägt vom Mut zur Transparenz und vom Interesse am gemeinsamen Lernen", meint OÖGKK-Direktorin Wesenauer zur Tatsache, dass die gesammelten Taten auch Vergleiche zwischen den Regionen und Einrichtungen er-möglichen.