Blutiger Anfänger im Dienst von Akutkranken überfordert

LONDON –Wer an einem Sonntag ins Krankenhaus kommt, trägt ein höheres Sterberisiko als Patienten nach einer Einlieferung am Mittwoch. Für Menschen dagegen, die schon stationär sind, ist es sonntags sicherer als wochentags.

Das Sterberisiko innerhalb von 30 Tagen nach einer Krankenhausaufnahme nahmen britische Forscher unter die Lupe. In ihre einjährige Studie gingen Daten des National Health Service mit mehr als 14 Mio. Hospitalisierungen und 187.000 Todesfällen im Krankenhaus ein.

Es stellte sich heraus, dass die Einlieferung an einem Sonntag mit einem höheren Sterberisiko behaftet war als innerhalb der Woche. So kamen auf 100 Todesfälle bei Personen, die mittwochs die Klinik aufsuchten, 116 Sterbefälle nach Einlieferung am Sonntag. Auch Samstag und Montag waren mit erhöhtem Sterberisko assoziiert. Diese Ergebnisse der Kollegen aus London wurden in einer kleineren US-Studie bestätigt.

An den Todesfällen in den britischen Kliniken waren v.a. Pneumonien, akute zerebrovaskuläre Ereignisse, Herzinsuffizienz, COPD, Krebs, Sepsis, Niereninsuffizienz und Oberschenkelhalsfrakturen schuld. Überraschenderweise ließen sich Pneumonie, Hüftfraktur und COPD als Todesursache nicht mit bestimmten Wochentagen in Verbindung bringen.

Im Gegensatz zur Neuaufnahme erwies sich das Wochenende für Patienten, die bereits stationär waren, als relativ sicher. In diesem Kollektiv kamen auf 100 Todesfälle an einem Mittwoch nur 92 an einem Sonn tag. Die Autoren im „Journal of the Royal Society of Medicine" erklären sich die verminderte Todesgefahr am Wochenende für stationäre Patienten damit, dass die gefährlichen Interventionen im Krankenhaus eher wochentags erfolgen. Das erhöhte Sterberisiko bei den Neuaufnahmen führen die britischen Kollegen unter anderem auf die veränderten Dienste mit weniger erfahrenen Ärzten und Schwestern zurück. Zudem ist am Wochenende nicht jede Diagnostik möglich, was die Therapie verzögern kann. Hinzu kommt, dass Patienten, die am Wochenende aufgenommen werden, oft akut und schwer erkrankt sind. Darauf weist auch ein weiteres Studienergebnis hin: Patienten, die sonntags einbestellt werden, versterben eher innerhalb der nächsten 30 Tage als wochentags elektiv bestellte Leidensgenossen. Die Autoren vermuten, dass besonders frühe Klinikaufnahmen am ehesten bei erhöhtem Risiko z.B. für den geplanten Eingriff erfolgen.

Nicolas Freemantle et al., J R Soc Med 1012; online first

Quelle: Medical Tribune • 44. Jahrgang • Nr. 16 • 18. April 2012