Die Palliativmedizin gewinnt sowohl gesellschaftlich als auch medizinisch an Bedeutung. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick, was in der Therapie von Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen zu beachten ist. Die Darstellung von drei der häufigsten belastenden Symptome – Schmerzen, Dyspnoe und Übelkeit – sowie ein kurzer Einblick in die rechtliche Situation sollen die Behandlung der betroffenen Patienten im Setting der Akutmedizin erleichtern.

Die Behandlung von Patienten mit unheilbaren Erkrankungen in der Notaufnahme ist von palliativmedizinischen Notfällen zu unterscheiden. Zu palliativen Erkrankungen zählen nicht nur fortgeschrittene onkologische Erkrankungen, sondern auch zahlreiche internistische Erkrankungen wie chronisch renale Insuffizienz, COPD, Demenz, Lebererkrankungen, Lungenfibrose oder Herzinsuffizienz. Als palliative Notfälle können Schmerzexazerbationen, Dyspnoe, Fatigue, Ileus, Inappetenz, maligner Querschnitt, psychisches Leiden, therapierefraktäre Übelkeit, Tumorblutungen oder Wesensveränderungen bezeichnet werden.
Das Vorliegen eines Notfalls ist hier mitunter das, was die Patienten als Notfall empfinden. Eine palliativmedizinische Betreuung hängt primär nicht von der Diagnose und Prognose ab, sondern von den Bedürfnissen und Symptomen, mit denen sich die Patienten präsentieren. Ob eine Verschlechterung, Exazerbation oder eine Dekompensation vorliegt, ist auf den ersten Blick nicht einfach zu differenzieren, vor allem da man die Krankengeschichte von Patienten, die eine Notfallaufnahme aufsuchen, zumeist nicht im Detail kennt. Um Lebensqualität erhalten zu können, ist neben der medizinischen Betreuung auch zu berücksichtigen, dass unheilbar erkrankte Patienten mit Einschränkungen, Hoffnungsverlust und radikalen Lebensveränderungen konfrontiert sind. Nicht die Patienten sind „schwierig“, sondern deren Situation. Somit stellt eine emotionale Zuwendung zu den Patienten oft die erste Hilfe dar. Sowohl Notfallaufnahmen als auch Palliativstationen leiden an einem Ressourcenmangel, was das Management erschwert und einen unmittelbaren Transfer von der Notaufnahme auf eine Palliativstation selten möglich macht. Aufgabe der Politik ist es, entsprechende Rahmenbedingungen zur Palliativversorgung in Krankenhäusern zu schaffen und die Notaufnahmen zu entlasten.
Bei Vorliegen von unheilbaren Erkrankungen ändert sich das Therapieziel, was nicht mit einem therapeutischen Rückzug zu verwechseln ist. Das Bild der „passiven Palliativmedizin“ muss endgültig aus den Köpfen verschwinden. Im Gegenteil, um Lebensqualität in komplexen Situationen optimieren zu können, bedarf es einer gezielten Anamnese und einer entsprechenden Expertise.