Atemnot und Schmerz sind die häufigsten Befürchtungen von Patienten mit onkologischen Erkrankungen. Das Bewusstsein über die Therapiemöglichkeiten (Tab. 2) und die Aufklärung darüber, dass diese oft mit „Siechtum“ gleichgesetzten Symptome behandelbar sind, sind ein wesentlicher Inhalt palliativer Betreuung. Ursachen für Dyspnoe können tumorbedingt (bronchiale Obstruktion, Lymphangiosis carcinomatosa, Pleuraerguss) oder nichttumorbedingt (Linksherzinsuffizienz, Lungenembolie, Strahlenfibrose) sein. Bronchodilatatoren, Diuretika und Glukokortikoide gelangen je nach klinischem Zustandsbild zur Anwendung [5].
Eine immer noch verbreitete Fehlannahme ist die einer Atemdepression im Falle der Opioidgabe. Dyspnoe und Schmerzen antagonisieren jedoch die atemdepressive Wirkung von Opioiden. Opioide wirken auf das limbische System und erleichtern somit die emotionale und psychische Belastung, die eine Atemnot mit sich bringt. Die Wirkung auf das Atemzentrum führt zu einer Ökonomisierung der Atemarbeit, eine rasche, oberflächliche Atmung wird ruhiger, tiefer und langsamer. Weiters kommt es zu einer Wirkung auf Hustenrezeptoren in der Lunge sowie zu einer Reduktion des Widerstandes im kleinen Kreislauf und einer Entlastung des Herzens. Generell ist die Anwendung von Opioiden bei Dyspnoe ein Off-Label-Use. Mögliche Alternativen sollten vorher ausgeschöpft sein. Die Evidenzlage für Opioide in der Behandlung der Atemnot ist gut, bedrohliche Nebenwirkungen sind selten [5].
Eine Bradypnoe (Atemfrequenz < 10 Atemzüge/Minute) ist klinisch leicht erkennbar, zudem steht die Möglichkeit einer Antagonisierung mit Naloxon zur Verfügung, die jedoch im palliativmedizinischen Setting in den seltensten Fällen erforderlich ist. Bukkales/sublinguales Fentanyl kann bei Versagen aller anderen Maßnahmen auch bei sogenannter „Durchbruchsatemnot“ angewendet werden,
wobei die Zulassung dafür bisher (Stand 2015) nicht gegeben ist (Off-Label-Use) und die Ergebnisse von randomisiert kontrollierten Studien noch ausständig sind. Bei normoxämischen Patienten macht eine Sauerstoffgabe keinen Sinn, hier hat sich die Verwendung eines Handventilators bewährt, um Dyspnoe zu lindern [3]. Die physikalische Therapie sowie das Andenken einer onkologischen Rehabilitation sind weitere therapeutische Ansätze.