Tabelle 3 gibt einen Überblick über die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen. Speziell bei Ersteinstellung auf Opioide ist es wichtig, in den ersten fünf bis zehn Tagen ein Antiemetikum zu verabreichen. Nicht selten findet sich in der Krankengeschichte der Vermerk „Morphinunverträglichkeit“, „Tramadolunverträglichkeit“, was meist das Auftreten von Übelkeit und keine allergische Reaktion bedeutet. Therapeutische Möglichkeiten sind die Dopaminantagonisten Halo­peridol oder Metoclopramid, bei Vorliegen von Morbus Parkinson kann Domperidon verabreicht werden. Die intravenöse Injektion von Haloperidol wird aufgrund einer möglicher QT-Verlängerung und potentiell schweren Herzrhythmusstörungen nicht mehr empfohlen und bleibt Ausnahmesituationen vorbehalten. Falls Patienten kachektisch und inappetent sind, ist ein Therapieversuch mit Dexamethason (4–8 mg morgens) als Roborans möglich. Weiters wirksam bei Nausea/Emesis, insbesondere bei ängstlicher Komponente, sind Benzodiazepine wie z. B. Lorazepam, das auch in sublingualer Form vorliegt. Selten (und eher bei älteren Menschen) kommt es zu paradoxen Reaktionen in Form von Verhaltensauffälligkeiten. Eine Therapie mit Cannabinoiden ist bei Versagen herkömmlicher Antiemetika möglich, allerdings ist Vorsicht vor allem bei älteren Menschen geboten, da Cannabinoide delirogen wirken können. Für eine Wirksamkeit ist eine adäquate Dosierung essentiell, die in der Praxis teilweise zu zögerlich erfolgt. Eine weitere therapeutische Option stellt Mirtazapin dar, ein Antidepressivum (NaSSA), das schlaffördernd, antidepressiv, antiemetisch und appetitanregend wirkt und somit mehrere Symptome von Patienten im palliativen Setting kontrollieren kann. Bei persistierender Emesis soll eine Magensonde gelegt und zugleich ein Ileus ausgeschlossen werden. Neuere Daten gibt es zu Olanzapin, einem Neuroleptikum, das bei therapierefraktärer Übelkeit/Erbrechen gute Wirkung gezeigt hat und sowohl als Einmalgabe als auch als Dauertherapie möglich ist. In Kombination mit dem 5-HT3-Antagonisten Ondan­setron ist auf die QT-Zeit zu achten. Sowohl Olanzapin als auch Ondansetron verlängern die QT-Zeit und können Herzrhythmusstörungen verursachen. Im Falle von Miserere stehen praktische Maßnahmen im Vordergrund: das Beruhigen der Patienten, das Lüften des Krankenzimmers bzw. das Bedenken des Geruches (nach Möglichkeit Duftlampen, Tücher mit Aromaölen), bei Hämatemesis sollten grüne oder blaue Tücher bereitgehalten werden. Besonders bei Patienten mit exulzerierenden HNO-Tumoren, bei denen mit Gefäßarrosionen und Blutungen zu rechnen ist, empfiehlt sich das Vorbereiten sowie die Organisation eines Notfallprozederes (Sedierung, ggf. Analgosedierung) und die Information des gesamten Teams darüber.