Es kann jede medizinische – auch lebensnotwendige – Maßnahme abgelehnt werden. Es ist nicht erforderlich, dass Gründe für die Ablehnung bekannt gegeben werden. Das gilt im Übrigen auch für primär gesunde Menschen, die eine Reanimation ablehnen, da Patienten ein „Recht auf Unvernunft“ haben. Die Patienten haben ebenso ein uneingeschränktes Vetorecht und können ihre vorliegende Patientenverfügung mündlich widerrufen. Im Gegenzug dazu sollten medizinisch sinnlose Interventionen unterbleiben, auch wenn Patienten danach verlangen. Eine Patientenverfügung dient der Ablehnung und nicht dem Wunsch nach Maßnahmen. Dazu bedarf es einer entsprechenden Aufklärung der Patienten und eines Überblicks über die individuelle Situation. Im Fall drohender Lebensgefahr darf niemandem eine notwendige erste Hilfe verweigert werden. Aus diesen Bestimmungen ergibt sich die grundsätzliche Verpflichtung, alle – im Zweifelsfall auch sterbende – Patienten zu reanimieren. Ein Problem der Patientenverfügung ist, dass eine zentrale Dokumentation bisher fehlt und die Patienten eine Art „Bringschuld“ haben. In Notfällen bleibt oft nicht die Zeit, die Voraussetzungen näher zu prüfen. Die Notfallregelung in § 12 PatVG lässt die medizinische Notfallversorgung unberührt, sofern der mit der Suche nach einer Patientenverfügung verbundene Zeitaufwand das Leben oder die Gesundheit des Patienten ernstlich gefährdet. Es gilt der Grundsatz „in dubio pro vita“. Ist die Patientenverfügung in der Notfallaufnahme bekannt, z. B. weil sie in der Krankengeschichte dokumentiert ist, muss diese beachtet werden. Umfassender können die Patienten ihre Selbstbestimmung antizipiert durch eine Vorsorgevollmacht wahrnehmen. Dazu schließen die Patienten, solange sie noch einsichts- und urteilsfähig sind, einen Bevollmächtigungsvertrag ab, in welchem sie festhalten, welche Aufgaben und Verpflichtungen der Vorsorgebevollmächtigte hat. Dieser Wille kann auch durch eine Patientenverfügung bestärkt werden.