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Verglichen mit den Verhältnissen am liegenden Patienten, hält der Esmarch-Handgriff die Atemwege besser offen, wenn der Oberkörper der Patienten um 25 Grad aufgerichtet ist. Die fiberoptische Intubation geht damit schneller vonstatten.

Beobachtungen an Patienten mit Schlafapnoe und bei der direkten Laryngoskopie zeigen, dass der Esmarch-Handgriff am halb sitzenden Patienten die Atemwege weiter öffnet und eine freiere Sicht auf die Stimmritze ermöglicht, als dies am liegenden Patienten der Fall ist. Mit dem Handgriff wird der Unterkiefer nach vorne gedrückt und angehoben. Er soll verhindern, dass die erschlaffte, zurückfallende Zunge die Atemwege verlegt. Koreanische Anästhesisten um Jee-Eun Chang (Seoul) haben versucht, den Griff für die orotracheale Intubation vor elektiven operativen Eingriffen zu nutzen.

 

Studienhalber verteilten Chang und Kollegen 88 Patienten nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen. 44 von ihnen wurden unter Anwendung des Esmarch-Handgriffs liegend, die 44 anderen mit demselben Hilfsmanöver in einer halb sitzenden Position mit um 25 Grad aufgerichtetem Oberkörper fiberoptisch intubiert. Die Sitzposition bewährte sich.

Vorteil in der Gaumenebene

Vor allem auf der Ebene des weichen Gaumens hatte der Esmarch-Griff im halben Sitzen Vorteile. Die Atemwege waren nach dem Urteil der beteiligten Anästhesisten offener als bei den liegenden Patienten. Auf der Epiglottisebene war kein Unterschied festzustellen. Insgesamt hatten 96% der Patienten im Sitzen freie Atemwege. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Problemfälle nicht in die Studie aufgenommen worden waren.

 

Stimmbänder bzw. Carina kamen bei den sitzenden Patienten schneller in Sicht (nach 4 bzw. 8 Sekunden vs. 6 bzw. 11 Sekunden im Liegen). Und es dauerte weniger lange, bis der Tubus lag (21 Sekunden vs. 25 Sekunden). Die Differenzen waren statistisch signifikant.

Erster Versuch meist erfolgreich

68% der ersten Intubationsversuche an den Liegenden und 66% der Versuche an den halb Sitzenden waren erfolgreich. Das ist den Resultaten einer früheren Studie vergleichbar, wo 71% der ersten Intubationsanläufe mit und 34% ohne Esmarch-Unterstützung zum Ziel geführt hatten.

 

„Der Esmarch-Handgriff in 25 Grad sitzender Position hat für offenere Atemwege gesorgt, und dieser Effekt hat sich in kürzeren Intubationszeiten niedergeschlagen“, resümieren Chang und Kollegen die Resultate ihrer Versuche. Zwar seien die Unterschiede mäßig ausgeprägt gewesen, für manche Patienten könnten sie sich dennoch als wichtig erweisen.