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Oft wird man als Arzt von Patienten und Ange­hörigen gefragt, wieviel Zeit dem Betroffenen noch bleibt. Betroffene und Angehörige können sich dann vielleicht besser auf die Situation vorbereiten, letzte Angelegenheiten regeln und in Ruhe Abschied nehmen. Um sich der Vorhersage eines Todeszeitpunkts zu nähern, haben Wissenschaftler des MD Anderson Cancer Center 13 Merkmale für den baldigen Tod bei Krebspatienten identifiziert. Erfahren Sie hier, um welche Anzeichen es sich handelt.

Insgesamt analysierten die Wissenschaftler von der Universität in Houston Daten von 357 Krebspatienten im Endstadium. Diese waren im Durchschnitt 58 Jahre alt und wurden auf Palliativstationen in den USA und in Brasilien versorgt. 200 dieser Patienten (57 Prozent) verstarben auf den Stationen, die übrigen wurden vor ihrem Tod entlassen. Ärzte und Pfleger überprüften bei allen untersuchten Patienten im 12-Stunden-Rhythmus 62 Zeichen, die laut Literatur auf einen baldigen Tod hindeuten. Bei jenen, die auf der Station starben, wurde anschließend ausgewertet, welche Zeichen in den letzten drei Tagen vor dem Tod erkennbar waren.

 

In einer ersten bereits publizierten Auswertung hatten sich die Forscher zunächst auf zehn Zeichen konzentriert, die in der Literatur am häufigsten als Prädiktoren für den nahen Tod erwähnt wurden. Von diesen erwiesen sich fünf als hochspezifisch. Dann analysierten sie, welche von den übrigen 52, weniger häufig erwähnten Zeichen ebenfalls geeignet sind, einen kurz bevorstehenden Tod anzukündigen. Dies war dann der Fall, wenn die Drei-Tages-Sterberate bei Patienten mit einem solchen Merkmal mehr als fünffach höher lag als bei Patienten ohne das Zeichen.

13 klinische Anzeichen des bevorstehenden Todes

Folgende Merkmale können einen bevorstehenden Tod der Palliativpatienten statistisch signifikant ankündigen:

 
  1. Fehlender Puls der Arteria radialis
  2. Verminderte Urinproduktion
  3. Cheyne-Stokes-Atmung
  4. Atmung mit Unterkieferbewegung
  5. Rasselatmung
  6. Fehlender Pupillenreflex
  7. Augenlider können nicht mehr geschlossen werden
  8. Grunzende Laute durch Stimmbandvibrationen beim Ausatmen
  9. Blutungen im oberen Verdauungstrakt
  10. Schlaffe Nasolabialfalte
  11. Halsüberstreckung
  12. Schwache Reaktion auf verbale Reize
  13. Schwache Reaktion auf visuelle Reize
 

Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass die Spezifität bei den meisten Merkmalen recht niedrig war. Fehlen diese Zeichen, so bedeute es deshalb nicht, dass die Patienten die nächsten Tage überleben. Die Chance sei jedoch äußerst gering, wenn mindestens eines dieser Merkmale auftrete. Dann läge es an den Ärzten zu entscheiden, ob sie den Patienten für die verbleibende Zeit nach Hause entlasse oder etwa Medikamente anpassten.

Vitalparameter liefern keine verlässlichen Hinweise auf nahen Tod

In einer weiteren Arbeit wurde untersucht, in welchem Zusammenhang Vitalzeichen wie Pulsfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur mit dem bevorstehenden Tod innerhalb von drei Tagen bei den Krebspatienten stehen. Das Ergebnis: Systolischer und diastolischer Blutdruck wie auch die Sauerstoffsättigung sanken signifikant in den letzten drei Lebenstagen gegenüber dem Aufnahmebefund ab. Diese Veränderungen erwiesen sich als hochspezifisch, aber wenig sensitiv – mit nur einer mäßigen Wahrscheinlichkeit für die Voraussage des Ablebens innerhalb von drei Tagen. Etwa die Hälfte der beobachteten Patienten hatte nämlich normale Vitalparameter in den letzten Lebenstagen. Klinische Phänomene scheinen daher eher von Bedeutung als der alleinige Blick auf Kreislaufparameter, kommentiert der Onkologe und Palliativmediziner Prof. Dr. Jens Papke, Akademische Lehrpraxis TU Dresden, die Ergebnisse. Ausgehend von diesen Daten dürfe sich deshalb das routinemäßige Monitoring von Vitalparametern auf Palliativstationen als nicht sinnvoll erweisen.

 
Quelle: Coliquo.de