Bei Behandlung einer Kohlenmonoxid-Vergiftung mit 100%igem Sauerstoff wird Kohlenmonoxid (CO) nur sehr langsam aus der Bindung verdrängt – die Rettung kommt oft zu spät. Eine gentechnische Variante des Proteins Neuroglobin könnte ein wirksameres Antidot sein, wie Tierversuche US-amerikanischer Forscher gezeigt haben.1

Durch die Beatmung mit 100%igem Sauerstoff wird die CO-Halbwertzeit (HWZ) lediglich von 320 auf 74 Minuten verkürzt. Die hyperbare Sauerstofftherapie verkürzt die HWZ auf 20 Minuten, sie ist aber nicht überall verfügbar. Für viele Patienten kommt die Rettung deshalb zu spät. So sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 3.000 Menschen an einer Kohlenstoffmonoxid-Intoxikation – die Dunkelziffer ist aufgrund der unspezifischen Symptome wahrscheinlich noch wesentlich höher.

Das erstmalig 2000 in Gehirn und der Retina von Menschen und Mäusen entdeckte Protein Neuroglobin könnte eine therapeutische Alternative sein. Neuroglobin bindet dort nicht nur Sauerstoff stärker als Hämoglobin - auch die Affinität zu Kohlenmonoxid ist deutlich erhöht. Durch die Modifikation des Moleküls (Ngb-H64Q-CCC) konnten die Forscher die Affinität noch einmal zusätzlich erhöhen, sodass die Bindung an Kohlenmonoxid 500-mal stärker ist, als die von Hämoglobin. Im Blut vergifteter Patienten kommt es dadurch zu einem schnellen Übertritt der CO-Moleküle vom Hämoglobin zum Neuroglobin und Hämoglobin steht wieder für den Sauerstofftransport zur Verfügung. Die HWZ von CO ließ sich durch Ngb-H64Q-CCC 0,11 – 0,41 Minuten erniedrigen.

Durch eine Kurzinfusion von Ngb-H64Q-CCC ließ sich bei Mäusen mit CO-Vergiftung dann auch innerhalb kurzer Zeit CO aus dem Blut eliminieren und der Sauerstofftransport zum Gewebe wieder herstellen. Die Erholungszeit von der Vergiftung konnte somit bei den Tieren deutlich verkürzt werden und der Kreislauf stabilisierte sich rasch. Sieben von acht Mäusen überlebten eine Intoxikation, die normalerweise für mehr als 90% der Tiere tödlich endet.

Nach der Infusion wird das Neuroglobin über die Niere wieder komplett eliminiert – negative Folgen wurden bei den Tieren nicht beobachtet. Vor dem Einsatz beim Menschen sind aber noch weitere Tierexperimente erforderlich, schreiben die Forscher.

 

gefunden auf coliquo.de