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Soll man Patienten nach einer Reanimation außerhalb des Krankenhauses auf der Intensivstation herunterkühlen, um neurologische Defizite zu reduzieren? Nachdem in Deutschland die aufwändige Technik endlich etabliert ist, zeigte die bisher größte randomisierte Studie zu dieser Fragestellung keinen Vorteil für die Patienten.

2002 zeigten zeitgleich zwei Studien deutliche Vorteile bei einer temporären Kühlung von Patienten nach Reanimation auf 32 bis 34°. Danach dauerte es aber noch viele Jahre, bis sich das relative aufwändige Verfahren auf deutschen Intensivstationen durchsetzte.

Als es endlich so weit war, kam eine neue Studie plötzlich zu anderen Resultaten. Die 2015 publizierte NIELSEN-Studie mit über 900 reanimierten Patienten, bei denen eine Zieltemperatur von 33°C mit 36°C verglichen wurde, zeigte keinen Unterschied. Nach dieser Studie würde eine Normothermie mit strikter Vermeidung von Fieber möglicherweise ausreichen.

Glücklich sind deutsche Intensivmediziner mit dieser Entwicklung nicht. PD Dr. Jan-Thorsten Gräsner vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH, Campus Kiel, wies auf dem 17. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) 2017 in Leipzig auf die Limitationen der Nielsen-Studie hin.

Die Ausgangssituation der Patienten in dieser Studie waren extrem günstig: 90% der Herzstillstände hatten in Gegenwart anderer stattgefunden, 73% der Patienten wurden sofort laienreanimiert, mehr als drei von vier hatten Kammerflimmern und die Zeit des Kreislaufstillstands lag im Mittel bei einer Minute. Das zu erwartende neurologische Defizit sei somit eher gering. Dies lasse sich nur auf etwa 7% der deutschen Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses übertragen", so Gräsner.

Die Intensivmediziner plädieren daher dafür, die in Deutschland mühsam etablierte Kühlung nicht wieder rückabzuwickeln. Wichtig sei der Einsatz von Systemen, die eine gesteuerte Kühlung im Sinne eines Targeted Temperature Managements erlauben.