Schlafmangel durch Überlastung und Schichtdienst ist unter Ärzten weit verbreitet. Insbesondere die Fähigkeit zur Teamarbeit könnte darunter leiden, wie ein Experiment französischer Wissenschaftler gezeigt hat. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „British Journal of Anaesthesia“ veröffentlicht.1,2

Schon früher wurde Schlafmangel bei Anästhesisten mit verminderter Aufmerksamkeit und nachlassender Geschwindigkeit bei Routinetätigkeiten in Verbindung gebracht. Eher schwierige Prozeduren wie Anlage eines Periduralkatheters oder auch die Reaktionen in Notfallsituationen waren dagegen kaum beeinträchtigt.

Französische Forscher führten jetzt dazu ein Experiment durch, bei denen die Auswirkungen des Schlagmangels nicht auf technische Fähigkeiten, sondern auf Dinge wie Kommunikation, soziale Kompetenz und Fähigkeit zur Teamleitung im Fokus standen. Dazu wurden 20 Anästhesisten an akademischen Lehrkrankhäuser in Paris in zwei Gruppen randomisiert: Gruppe 1 Schlafentzug durch Nachtdienst und Gruppe 2 normaler Schlaf zuhause. Alle Teilnehmer nahmen an der Simulation einer chirurgischen Laparatomie bei Peritonitis teil, wobei die Situation durch Diskussionen über das weitere Vorgehen im chirurgischen Team zusätzlich erschwert wurde.

Zwei erfahrene Anästhesisten beurteilten unabhängig voneinander die Kollegen anhand von Videoaufzeichnungen in Bezug auf Situationsmanagement, Teamarbeit, situative Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung.

Das Ergebnis: Insgesamt waren die Leistungen bei den Probanden mit ausreichendem Schlaf besser. Dabei war vor allem die Teamarbeit unter Schlafentzug deutlich schlechter während sich Notfallmanagement, situative Wachheit und Entscheidungsfindung kaum zwischen den beiden Gruppen unterschieden. Zusätzlich fiel den Untersuchern in der Gruppe mit Schlafentzug eine erhöhte Inzidenz von Schläfrigkeit und Unsicherheit bei den durchgeführten anästhesiologischen Tätigkeiten auf.