Phenylephrin ist ein bekannter Wirkstoff zur Behandlung der perioperativen Hypotonie während Allgemein-, Spinal- und Epiduralanästhesien. Doch in welchen Indikationen liegen seine besonderen Vorteile? Eine Übersichtsarbeit zeigt es auf.

Phenylephrin: ein selektiver α1-Agonist
Phenylephrin bewirkt eine Vasokonstriktion mit erhöhtem peripheren Widerstand über die selektive Bindung an adrenerge α1-Rezeptoren. Reflektorisch stellt sich im Anschluss eine Bradykardie ein. Es kommt als i.v.-Bolus mit einer Dosis von 50-200µg oder als Dauerinfusion mit 0,05-5µg/kg/min bei perioperativen Hypotonien zum Einsatz.1
Optimaler Vasopressor beim tachykarden Patienten
Bei Hypotonien unter Allgemeinanästhesie bewirkte Phenylephrin eine mit Noradrenalin vergleichbare Erhöhung des mittleren arteriellen Blutdrucks (MAP), gleichzeitig sank das Schlagvolumen.2
Bei der Epiduralanästhesie war durch die reflektorische Bradykardie unter Phenylephrin eine niedrigere Herzfrequenz und geringeres Herzminutenvolumen zu beobachten als unter Epinephrin. Ursächlich hierfür ist, dass Epinephrin seine Wirkung auch an β-Rezeptoren entfaltet.3
Ein optimales Einsatzgebiet ergibt sich nach Meinung von Ertmer et al., den Autoren der Übersicht, beim normovolämischen, hypotensiven Patienten mit „zu hoher Herzfrequenz“.1
 
Phenylephrin: Das Wichtigste in Kürze

  • Hervorragende Datenlage zu Wirksamkeit und Sicherheit bei Hypotonien in Allgemein-, Spinal- und Epiduralanästhesie1
  • Vasopressor der Wahl bei Sectio in Spinalanästhesie1
  • Ideal bei Patienten mit valvulärer Aortenstenose oder hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie1
     
     
    Kaiserschnitt: Phenylephrin vs. Ephedrin

Erstmalig verglichen Moran et al. die Wirksamkeit und Sicherheit von Ephedrin vs. Phenylephrin bei Frauen mit Sectio in Spinalanästhesie.4 Bei beiden Vasopressoren lagen Nabelschnur-pH und pCO2 im Normbereich, unter Phenylephrin zeigten sich jedoch die signifikant besseren Werte. Im Vergleich ergaben sich keine Unterschiede beim APGAR oder in der Häufigkeit von Übelkeit und Erbrechen.4
Im Vergleich mit Epinephrin traten unter Phenylephrin weniger arterielle Hypotonien, Tachykardien und fetale Azidosen auf.5
Die Kombination von Epinephrin und Phenylephrin erbrachte keinen Vorteil: Übelkeit und Erbrechen traten hier häufiger auf als unter Phenylephrin allein.5
 
Alternative auch in der Herzchirurgie

Unter Phenylephrin im Bolus während Koronar-Bypass-OPs konnte eine vergleichbare Erhöhung des MAPs und des sytemischen Gefäßwiderstandes erreicht werden wie mit Noradrenalin.6
Bei KHK-Patienten erhöhte sich der koronare Perfusionsdruck, ohne dass klinisch relevante Beeinträchtigungen wie ein koronarer Vasospasmus eintraten.7
Als vorteilhaft bei Patienten mit valvulären Aortenstenosen könnte es sich erweisen, dass Phenylephrin — anders als Noradrenalin — keine ß-adrenergen Effekte hat und die linksventrikuläre Funktion erhalten bleibt.7,8

Quellen

Ertmer C, Morelli A, Westphal M. The Role of Phenylephrine in Perioperative Medicine. In: Vincent JL. (eds) Yearbook of Intensive Care and Emergency Medicine. Yearbook of Intensive Care and Emergency Medicine. 2009: Springer; Berlin, Heidelberg
Goertz AW et al. The effect of phenylephrine bolus administration on left ventricular function during isoflurane-induced hypotension. Anesth Analg 1993; 77: 227–231
Sharrock NE et al. Effect of i.v. low-dose adrenaline and phenylephrine infusions on plasma concentrations of bupivacaine after lumbar extradural anaesthesia in elderly patients. Br J Anaesth 1991; 67: 694–698
Moran DH et al. Phenylephrine in the prevention of hypotension following spinal anesthesia for cesarean delivery. J Clin Anesth 1991; 3: 301–305
Cooper DW et al. Fetal and maternal effects of phenylephrine and ephedrine during spinal anesthesia for cesarean delivery. Anesthesiology 2002; 97: 1582–1590
Baraka A et al. The hemodynamic effects of intravenous norepinephrine versus epinephrine and phenylephrine in patients with ischemic heart disease. Middle East J Anesthesiol 1991; 11: 53–62
Goertz AW et al. Effect of phenylephrine bolus administration on global left ventricular function in patients with coronary artery disease and patients with valvular aortic stenosis. Anesthesiology 1993; 78: 834–841
Goertz AW et al. Influence of phenylephrine bolus administration on left ventricular filling dynamics in patients with coronary artery disease and patients with valvular aortic stenosis. Anesthesiology 1994; 81: 49–58