2011 standen mehr als 20.000 Fälle in Notaufnahmen in den USA mit dem Konsum von Energy-Drinks in Zusammenhang. Die meisten Patienten waren männlich und zwischen 18 und 39 Jahren alt. In knapp der Hälfte der Fälle lag ein Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Drogen vor. Aktuelle Zahlen oder Angaben für europäische Länder liegen zwar nicht vor. Doch die Giftnotrufzentrale Nord berichtet von einer zunehmenden Zahl an Fällen.

Wesentlicher Bestandteil von Energy-Drinks ist Koffein. Die Konzentration kann bis zu 32 mg/100 ml betragen. Folge einer Überdosierung sind Dysphorie, Unruhe, Tremor, Übelkeit und Erbrechen.

Außerdem enthalten Energy-Drings häufig weitere Substanzen wie Taurin, Guarana, Glucuronolacton oder Niacin, die sich auf die Physiologie auswirken können.
In einem aktuellen Artikel spricht sich Prof. Russell Viner, Präsident des britischen Berufsverband für Kinder- und Jugendmedizin, für ein Verkaufsverbot von Energy-Drinks an Kinder unter 16 Jahren aus. Die gesundheitlichen Risiken seien groß und es gebe keine positiven Effekte.


Kardiovaskuläre Symptome: Mehrere STEMI-Patienten
Bei einer Auswertung von 53 Fallberichten, in denen ein Zusammenhang zwischen Energy-Drinks und notfallmedizinischen Krankheiten besteht, fanden sich Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. In acht Fällen wird eine myokardiale Ischämie, immer ein ST-Hebungsinfarkt (STEMI), in Folge des exzessiven Konsums von Energydrinks (bis zu acht Dosen) beschrieben. Es handelte sich meist um junge Männer mit keinen oder nur wenigen kardiovaskulären Risikofaktoren.
Ein möglicher Auslöser ist eine gesteigerte Thrombozytenaggregation und eine Störung der Endothelfunktion. Die durch Energy-Drinks ausgelöste Hyperkoagulabilität konnte auch in experimentellen Studien nachgewiesen werden.
Bei drei Patienten mit chronischem Konsum von 4-5 Dosen am Tag war es zu einer Aortendissektion (jeweils der Aorta ascendes, Stanford A) gekommen. Allerdings bestand bei allen Patienten eine Prädisposition. Die Auswirkungen von Energy-Drinks auf hämodynamische Parameter sind bekannt (Blutdruckanstieg, Tachykardie, erhöhtes Schlagvolumen) und können zur Entstehung einer Dissektion beitragen.
Eine Risiko für Herzrhythmusstörungen konnte in Studien nicht nachgewiesen werden, jedoch kann es zu einer Verlängerung der QTc-Zeit kommen. Dies ist auf die Wirkung auf Kalium- und Natriumkanäle zurückzuführen. Einzelne Fallberichte bringen Energy-Drinks mit Herz-Kreislauf-Störungen in Zusammenhang, meist handelt es sich dabei um Kammerflimmern.


Neurologische Symptome: Schlaganfall bis Epilepsie
Der Konsum zuckerhaltiger Getränke erhöht das Schlaganfallrisiko signifikant um 19%. Immer wieder kommt es zu Fallberichten von transitorischen ischämischen Attacken (TIA), die zu Symptomen wie Sehverlusten, Krampfanfällen, Vernichtungskopfschmerzen oder Taubheit der Extremitäten führen können.
Pathophysiologisch lassen sich die neurologischen Ausfälle neben den Prozessen, die auch bei kardiovaskulären Erkrankungen eine Rolle spielen, auf einen Vasospasmus zurückführenn, der durch hohe Koffein-Konzentrationen ausgelöst wird. Die Wirkung kann zudem durch Substanzen wie Taurin, Gingseng und Guarana verstärkt werden.
Generalisierte epileptische Anfälle werden sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen im Zusammenhang mit Energy-Drinks beobachtet. Nach Ausschluss anderer Auslöser bleiben die Getränke als Trigger übrig. Dabei kommt es zu dosisabhängigen Effekten, da nur bei übermäßigem Konsum Attacken auftreten und Abstinenz zum Verschwinden der Epilepsie führt.


Leber und Nieren: Organe können versagen
Eine akute Nierenschädigung wird bei drei Patienten beschrieben. Die Symptome eines Nierenversagens traten sowohl bei chronischem als auch akutem Konsum (drei Liter) auf und verschwanden nach mehreren Tagen Abstinenz. Als möglicher Auslöser wird vor allem Taurin diskutiert, das den renalen Blutfluss reduzieren kann.
Dagegen steht das ebenfalls häufig in Energy-Drinks enthaltene Niacin im Verdacht eine akute Hepatitis zu verursachen. Besonders eine vorgeschädigte Leber (chronische Hepatitis, Leberzirrhose) reagiert empfindlicher auf Noxen. Der gleichzeitige Konsum mit hochprozentigem Alkohol kann die toxische Wirkung noch verstärken.

Kombination mit Alkohol: Zunahme von riskantem Verhalten
Oftmals werden Mischgetränke aus Energy-Drinks und hochprozentigem Alkohol (z.B. Wodka) konsumiert. Aufgrund des stimulierenden Effekts wird das subjektive Gefühl des Betrunkenseins reduziert. Zudem wird das Verlangen, mehr Alkohol zu trinken, gesteigert. Dies führt zu einem dreifach erhöhten Risiko, einen Blutalkoholwert von >0,8‰ zu erreichen, als wenn lediglich alkoholische Getränke konsumiert werden. Auch die Absicht betrunken mit dem Auto zu fahren, war in einer Untersuchung um mehr als das Vierfache erhöht. Ebenso die Gefahr von Verkehrsunfällen, die Bereitschaft bei Betrunkenen mitzufahren oder sexuell motivierte Verbrechen zu begehen.

Quellen:

  1. Knapp J et al. Energydrinks in der Notfallmedizin - verleihen nicht nur Flügel. Notfall Rettungsmed 2018; 21(5): 383-394.
  2. Viner R. Ban on sale of energy drinks to children. BMJ 2018; 362: k3856.