Die Zahl der Notfalleinweisungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, was den Druck auf die Notaufnahmen erhöht. Viele dieser stationären Aufnahmen könnten verhindert werden, wenn Patienten mit chronischen Erkrankungen leitliniengerecht behandelt werden würden, wie eine britische Analyse von Studien gezeigt hat.

Um herauszufinden, bei welchen Krankheitsentitäten und medikamentösen Therapien Defizite in der Versorgung bestehen, die vermehrt zu notfallmäßigen Klinikeinweisungen führen, haben die Forscher eine umfangreiche Analyse von 2.000 Arzneimittelstudien mit fast einer Million Patienten aus den Jahren 1991 bis 2016. durchgeführt.
Dabei identifizierten sie mit einer hohen bis mittleren Evidenz 28 Medikationen, deren korrekte Anwendung die Zahl der Notfalleinweisungen reduzierte. Darunter waren 11 Medikationen mit starker Evidenz, deren Anwendung gemäß US-amerikanischer, europäischer und britischer Vorgaben bei Herzinsuffizienz, COPD/Asthma oder Schizophrenie leitliniengerecht wäre.
Bei Patienten mit Herzinsuffizienz handelte sich dabei zum um ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Aldosteron-Rezeptorantagonisten und Digoxin. In diesem Zusammenhang erinnern die Autoren daran, dass in USA und Europa etwa 13 % der Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion die eigentlich indizierte Erstlinientherapie nicht erhalten.
Bei Asthma waren es Kortikosteroide zur frühzeitigen Inhalation in der Notaufnahme und bei COPD inhalative Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika, die Notfalleinweisungen verhindern könnten. Bei Patienten mit Schizophrenie könnte die leitliniengerechte Anwendung von Antipsychotika der zweiten Generation und entsprechender Depotpräparate bzw. Arzneien zur Erhaltungstherapie Notaufnahmen reduzieren.

Quellen

1. Bobrovitz N et al. Medications that reduce emergency hospital admissions: an overview of systematic reviews and prioritisation of treatments. BMC Medicine (2018); 16: 115. DOI: https://doi.org/10.1186/s12916-018-1104-9

2. Springer Medizin: Chronische Erkrankungen – Wie sich die Zahl der Notaufnahmen senken lässt