Wünsche von Studienautoren an beratende Statistiker, Ergebnisse von Studien zu schönen, sind als „eine Art Forschungsbetrug“ anzusehen - unabhängig davon, ob dies strategisch oder fahrlässig geschieht. Dass derartige Forderungen offensichtlich zum Alltag von Biostatistikern gehören, ergibt sich aus einer E-Mail-Umfrage unter Mitgliedern der American Statistical Association (ASA), die sich primär mit biostatistischer Beratung und Datenauswertung befassen.

1 Von 522 randomisiert aus dem Adresspool der ASA gezogenen Statistikern, denen ein Fragebogen zugesendet wurde und die die E-Mail geöffnet haben, liefern 390 (74,7%) auswertbare Antworten. Mit den Fragen zu bioethischen Problemen bei der biostatistischen Beratung wird erfasst, wie häufig 18 definierte unangemessene Praktiken von Studienautoren in den vergangenen fünf Jahren gewünscht wurden. Zudem sollten die Befragten den Schweregrad jeder der 18 Praktiken hinsichtlich der Verletzung bioethischer Prinzipien einstufen. Die beiden als besonders gravierend bewerteten Ansinnen, die statistische Signifikanz zu fälschen und Daten zu verändern, um ein gewünschtes Ergebnis zu erhalten, werden relativ wenig nachgefragt (weniger als zehnmal bei 2% bzw. 7% der Befragten, zehnmal und häufiger bei 1% bzw. 0%). Mit dem ebenfalls überwiegend als schwerwiegend eingestuften Wunsch zu verschweigen, dass wichtige Daten fehlen, die das Ergebnis beeinflussen könnten, ist immerhin jeder Vierte (23%) ein- bis neunmal konfrontiert worden, 1% zehnmal oder häufiger. Am häufigsten ist der Wunsch, die signifikanten Ergebnisse hervorzuheben und die nichtsignifikanten zu vernachlässigen, der jedem zweiten Befragten (48%) gegenüber weniger als zehnmal, bei 7% zehnmal oder häufiger geäußert worden ist. Unzureichende bzw. manipulierte statistische Auswertung und Beschreibung von Studiendaten sind in Publikationen extrem schwierig zu entdecken3 und können ein wesentlicher Grund dafür sein, dass sich bis zu mehr als 70%2 von Forschungsergebnissen von anderen Wissenschaftlern nicht reproduzieren lassen. Interessant wäre zu wissen, wie die Befragten mit den Manipulationswünschen umgegangen sind. Dies haben die Autoren der Umfrage nicht gefragt. Wahrscheinlich liegt hierin jedoch der Grund für den für solche Umfragen ungewöhnlich hohen Rücklauf auswertbarer Antworten. Es wurde vermieden, dass Statistiker nicht antworten, um sich nicht selbst wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu bezichtigen.

Quellen
1 WANG, M.Q. et at.: Ann. Intern. Med. 2018; 169: 554-8
2 BAKER, M.: Nature 2016; 533: 452-4
3 LOCALIO, A.R.: Ann. Intern. Med. 2018; 169: 577-9