Die Frage nach der am besten geeigneten Flüssigkeit bei der Volumentherapie taucht immer wieder mal auf. Bei nicht schwerkranken Patienten scheint der frühe Einsatz einer Vollelektrolytlösung Vorteil gegenüber der isotonischen Kochsalzlösung zu haben, wie eine Studie aus den USA gezeigt hat. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlicht. 1-3

In die Studie eingeschlossen wurden 13.347 nicht schwerkranke Notfallpatienten, die in der Notaufnahme zunächst i. v. Kristalloide als Volumentherapie erhielten. Nach Aufnahme auf die Normalstation erhielten die Patienten je nach Kalendermonat entweder eine Vollelektrolytlösung (meist Ringer-Laktat-Lösung) oder eine Kochsalzlösung (NaCl-Lösung) zur Volumentherapie.
Bei der Anzahl der krankenhausfreien Tage innerhalb der ersten 30 Tage nach Aufnahme (primärer Endpunkt) zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen (im Mittel je 25 Tage). Ein Vorteil der Vollelektrolytlösung ergab sich aber hinsichtlich der Nierenfunktion: Das Auftreten eines renalen Ereignisses (Dialysebehandlung, persistierende Nierendysfunktion mit Serum-Kreatinin > 200 % des Ausgangswertes oder Tod jeder Genese) trat hier signifikant seltener auf als unter NaCl-Gabe (4,7 % vs. 5,6 %; adjustierte OR, 0,82).
Somit führt bei nicht kritisch kranken Patienten die Gabe von Vollelektrolytlösung gegenüber NaCl zwar nicht zur Reduktion der Sterblichkeit oder der Länge des Krankenhausaufenthaltes – es kommt aber seltener zu einem Nierenversagen.

Quellen

1. Wesley H. et al. Balanced Crystalloids versus Saline in Noncritically Ill Adults. N Engl J Med 2018; 378:819-828. DOI: 10.1056/NEJMoa1711586.

2. Volumentherapie bei nicht Schwerkranken: Vollelektrolytlösung statt Kochsalz? Journal Club AINS 2018; 07(03): 137 – 138; DOI: 10.1055/a-0636-8139

3. Vollelektrolytlösung statt Kochsalz? Thieme Anästhesiologie/Intensivmedizin/Notfallmedizin.