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Bei warmen Temperaturen zieht es viele Menschen ins Freibad, ans Meer, an den See oder in den eigenen Gartenpool. Doch Gefahren, die nicht immer auf den ersten Blick sichtbar sind, können das Badevergnügen trüben.

Angesichts immer heißerer Sommer und günstiger Angebote nimmt die Beliebtheit von eigenen Pools im Garten zu. Doch der Badespaß kann Risiken bergen. Erfahren Sie hier, mit welchen Keimen auch scheinbar sauberes Wasser belastet sein kann.

Kryptosporidien: Die häufigsten Erreger in Schwimmbädern

Die parasitären Protozoen Cryptosporidium hominis und Cryptosporidium parvum zählen zu den häufigsten Erregern in Schwimmbädern und Wasserfreizeitparks. Die dickwandigen Oozysten sind äußerst widerstandsfähig, u.a. auch gegen die Chlorung. Die Erreger werden über den Stuhl ausgeschieden und Infektionen können durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser erfolgen, wobei bereits 10 Oozysten ausreichen, um die im Folgenden beschriebenen Symptome hervorzurufen.1
Symptome & Therapie: Klinisch zeigt sich ein starker, wässriger Durchfall, teilweise mit starkem Flüssigkeitsverlust, sowie Übelkeit, Fieber und Bauchschmerzen.1 Da keine spezifische Therapie besteht, erfolgt die Behandlung symptomatisch. Die Zahl der Infektionen hat sich in den USA seit 2014 verdoppelt, den größten Ausbruch mit mehr als 400.000 Fällen hat es 1993 in Wisconsin gegeben.2,3


Pseudomonas: Gefahr im Gartenpool und Jacuzzi

Eine besondere Gefahrenquelle sind warme Whirlpools, da Wassertemperaturen über 30°C zwar das desinfizierende Chlor zerstören, aber keine Keime abtöten. Das gram-negative Bakterium Pseudomonas aeruginosa kann zur sogenannten Whirlpooldermatitis (Pseudomonas-Follikulitis) führen.
Symptome & Therapie: Die Whirlpooldermatitis zeigt sich klinisch mit einem juckenden, makulopapulösen Exanthem mit follikulär gebundenen roten Papeln und Pusteln und tritt vor allem im Bereich der Badekleidung auf.4 Die Whirlpooldermatitis heilt nach etwa zwei Wochen spontan ab, systemische Antibiotika und lokale Antiseptika haben anscheinend keinen Einfluss auf das Exanthem. Zudem kann Pseudomonas aeruginosa eine Otitis externa (“Bade-Otitis”) auslösen, wenn der äußere Gehörgang betroffen ist.

Shigellen: Resistenzen werden zum Problem

Shigellen, vor allem Shigella sonnei und Shigella flexneri, sind unbewegliche, gram-negative Bakterien. Sie verursachen die „Bakterienruhr” eine hochansteckende, heftige Durchfallerkrankung. Neben der Ansteckung über Hautkontakt (z.B. Händeschütteln), ist auch eine Infektion durch bakterienverseuchtes Trinkwasser, Badegewässer, Nahrungsmittel oder Fliegen möglich. Am häufigsten tritt die Krankheit in warmen Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen und mangelnder Abwasserversorgung auf.
Die in Deutschland auftretenden Fälle von Shigellose wurden laut Robert-Koch-Institut in den letzten Jahren vor allem aus Ägypten, Indien, Marokko, Tunesien und der Türkei importiert. Multiresistente Shigellen sind dabei ein zunehmendes Problem.1
Symptome & Therapie: Die Bakterien lösen die Shigellen-Ruhr aus, die meist mit wässriger Diarrhö beginnt und in eine inflammatorische Kolitis übergehen kann. Auch abdominelle Krämpfe sind typisch für eine Infektion mit Shigellen. In den schwersten Fällen kann es zur Kolondilatation und -perforation kommen.2 Aufgrund der hohen Infektiosität wird eine Therapie mit Antibiotika empfohlen, um die Krankheitsdauer und Bakterienausscheidung zu verkürzen.


Norovirus: Häufiger Auslöser von Durchfall & Erbrechen

Noroviren werden zwar hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen, jedoch ist auch eine Infektion durch kontaminiertes Wasser möglich. In der Norovirus-Saison 2016/2017 kam es in Deutschland zu einer unerwartet hohen Zahl an Infektionen, bedingt durch das Auftreten eines neuen, rekombinanten Virus-Typs.3 Doch bei der Therapie besteht Hoffnung auf Neuerungen: nach 48 Jahren ist es Wissenschaftlern im vergangenen Jahr erstmals gelungen, Noroviren in humanen Zellkulturen anzuzüchten.4
Symptome & Therapie: Bereits 10-100 Viruspartikel können zum Krankheitsbild mit heftigem Erbrechen, starken Durchfällen und leicht erhöhter Körpertemperatur führen. Die Therapie erfolgt symptomatisch, vor allem über den Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts.


Naegleria fowleri: Selten, aber fast immer tödlich

„Hirnfressende Amöben”, die beim Baden und Tauchen im warmen (>30°C) Süßwasser über die Nasenschleimhaut und den Nervus olfactorius ins zentrale Nervensystem eindringen und dort schwere Entzündungen auslösen, eine sehr unangenehme Vorstellung. Naegleria fowleri, der Erreger der Primären Amöben-Meningoenzephalitis (PAM), ist zwar selten, aber von hoher Pathogenität und Letalität (>90%). Der Parasit lebt in tropischen und subtropischen Gewässern, aber auch in künstlich erwärmten Schwimmbereichen in gemäßigten Klimazonen.6
Symptome: Nach der Infektion, für die ein einmaliger kurzer Kontakt ausreicht, kommt es zu hohem Fieber, Nackensteifigkeit, starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem treten Veränderungen der Wahrnehmung und Körperkontrolle auf. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung rasch progredient, die Patienten fallen ins Koma und versterben innerhalb einer Woche. Nur in Einzelfällen wird vom Überleben der Infizierten berichtet. Aktuell sind Wissenschaftler noch immer auf der Suche nach einer effektiven Therapie.


Zerkarien: Unangenehmer, juckender Hautausschlag

Bei anhaltender Hitze steigt die Gefahr von Zerkarien in Badegewässern, in denen Wasserpflanzen, Wasservögel und Schnecken leben. Zerkarien oder Gabelschwanzlarven sind die Larven von kleinen Saugwürmern (Trematoden) der Gattung Trichobilharzia. Die in Mitteleuropa vorkommenden Arten verursachen beim Menschen die sogenannte Badedermatitis. Dies ist ein unangenehm juckender, aber in der Regel ungefährlicher Hautausschlag. Verlauf und die Intensität des Ausschlags sind individuell verschieden. Bei hypersensibilisierten Personen können jedoch unter Umständen Fieber und Schockzustände auftreten.
Zerkarien befallen „versehentlich“die Haut des Menschen, die allerdings nicht durchdrungen werden kann. Die Larven bleiben in der Hautoberfläche stecken und sterben nach kurzer Zeit ab. Beim ersten Kontakt mit den Larven kann es nach wenigen Minuten zu einem leichten, schwer lokalisierbaren Jucken und geröteter Haut kommen. Erst bei weiteren Kontakten kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion.
Zur Prävention raten Experten:

Trotz Juckreiz sollte nicht gekratzt werden, um eine bakterielle Sekundärinfektion zu vermeiden. Die übliche Behandlung der Badedermatitis erfolgt mit juckreiz- und entzündungshemmenden Mitteln.8

Cyanobakterien: Vorsicht bei blaugefärbtem Wasser

Die umgangssprächlich auch als Blaualgen bezeichneten Cyanobakterien sind ein normaler Bestandteil der Lebensgemeinschaft aller natürlichen Gewässer, auch des Meeres. Zur sogenannten „Blaualgenblüte”, einer explosionsartigen Vermehrung der Bakterien, kommt es insbesondere in den Sommermonaten bei hohen Wassertemperaturen. Algenblüten treten in nährstoffreichen, langsam fließenden, stehenden oder rückgestauten Gewässern sowie im Meer auf.
So erkennen Sie Cyanobakterien:

Nur ein Teil der Cyanobakterienspezies bildet Toxine. Generell sind die von den Blaualgen produzierten Toxine in geringer Konzentration für gesunde Menschen ungefährlich. Wenn sie sich an windstillen Tagen jedoch an der Oberfläche des Wassers konzentrieren, so kann sich die Konzentration der Giftstoffe so weit erhöhen, dass eine Gesundheitsbeeinträchtigung in Form von vorübergehenden Haut- oder Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, bei Verschlucken großer Wassermengen aber auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber eintreten kann. In solchen Fällen geben die örtlichen Behörden entsprechende Badewarnungen aus.
Besonders bei empfindlichen oder geschwächten Menschen ist hier Vorsicht geboten. Auch Kinder sollte man von den Teppichen fernhalten.
Experten-Empfehlung:

Quellen

  1. Kryptosporidiose. RKI-Ratgeber für Ärzte
  2. Crypto outbreaks linked to swimming have doubled since 2014. CDC Press Release, 18.05.2017
  3. Cryptosporidium Infections Associated with Swimming Pools — Dane County, Wisconsin, 1993. MMWR 1994; 43(31): 561-563.
  4. Pseudomonas-Follikulitis. Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin.