An einem sonnigen November Vormittag geht in der Rettungsleitstelle ein Notruf von der ÖBB-Zentrale ein: Ein Triebwagenführer hat eine leblose Person neben dem Bahndamm der Westbahnstrecke im Bereich des Güterbahnhofs Salzburg gesehen.

 

ImageAlarmierung:
10:23
Code 404 - Sturz Verkehr bei Mc Donalds
ÖBB und Exekutive vor Ort



Erster Eindruck:

 

Nach 300m Fußweg entlang des Bahndamms erreicht das NA-Team die Patientin. Sie liegt in Seitenlage in einer Butlache. Bei genauerer Betrachtung fällt eine massive Weichteilverletzung im Bereich der linken Gesichtshälfte und eine großflächige Skalperungsverletzung auf. Die Patientin spricht englisch, wirkt etwas verwirrt.


 

Vitalzeichen - Erstuntersuchung:
GCS: 13
Herzfrequenz: ca.90/min (Radialispuls schlecht tastbar)
Atemfrequenz: 20/min

Weichteilverletzung im Gesicht und Kopf, Druckschmerzhafter linker Thorax, Bauch weich, Becken stabil, Fersenbeinfraktur links, offene distale US-Fraktur rechts. Die Patientin wirkt unterkühlt.




Therapie - Vorgehen:
- Legen eines grauen Venflons in der linken Cubita, Narkoseeinleitung mit Ketanest, Dormicum und Lysthenon.
- Problemlose Intubation
- Reposition der Frakturen
- Versorgung der offenen Verletzungen
- Nachforderung eines weiteren Fahrzeuges zum Abtransport

 

Weitere Versorgung - Transport:
- Im RTW legen eines 2.zuganges
- Vollständige Entkleidung
- Wärme erhalten mit Wärmedecke
- Körpertemperatur 33° gemessen mit Tympanothermometer
- zunehmender Blutdruckabfall -> rascher Transport ins Zielspital
Übergabe im Schockraum:
Bei Übergabe im Schockraum sind bei der Patientin nur mehr zentrale Pulse tastbar. Auf Adrenalingabe kommt es sofort zum Ansteigen des Blutdrucks auf 120mmHg systolisch. Es treten zwei spritzenden Blutungen aus der Gesichtsverletzung auf.

Diskussion:
- Die anfängliche Verwirrung über die Art der Verletzung und den Ort des Geschehens führte zu einer merklichen Verzögerung des Einsatzes. Beim Eintreffen gingen wir noch von einer Todesfeststellung aus, da es sich um eine aus dem Zug gestürzte Person handelte. Wären die Informationen exakter gewesen hätte man schon früher einen 2ten RTW zum Abtransport anfordern können.
- Die Entscheidung die Patientin noch am Bahngleis zu intubieren würde ich im nachhinein als falsch bewerten:
* Der Abtransport wurde komplizierter und dauerte länger
* Eine problemlose Intubation bei einer schweren Gesichtsverletzung unter schlechten räumlichen Bedingungen war eigentlich nicht zu erwarten.
* es lag keine zwingende, absolute Indikation vor (Atemweg war nicht gefährdet).
- Der Einsatz von Katecholaminen wäre trotz der Unterkühlung möglich gewesen (Inaktivierung erst unter 30°C KKT), aber die im Schockraum auftretenden spritzenden Blutungen wären vor Ort nicht so einfach zu beherrschen gewesen.
- Insgesamt hätte der Einsatz zügiger abgewickelt werden müssen, da das Hauptproblem ein hämorrhagischer Schock wegen der Blutung aus der Gesichtsverletzung war.

 

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