Drucken

leatt-brace_1.jpg

HWS-Schutzsysteme für Motorradfahrer im Vormarsch!
Seit einiger Zeit vertreiben verschiedene Hersteller Schutzsysteme für Motorradfahrer die die Verletzungsgefahr im Bereich der Halswirbelsäule im Falle eines Sturzes reduzieren sollen. Diese Systeme sind in den unterschiedlichsten Qualitäten und Preisklassen am Markt erhältlich und basieren je nach Hersteller auf mehr oder weniger wissenschaftlich fundierten Grundlagen. Wir wollen hier keinerlei Wertungen bzgl. der Wirksamkeit oder Qualität dieser Systeme abgeben sonder uns lediglich mit der notfallmedizinischen Relevanz auseinandersetzen.

Die Frage der notfallmedizinischen Relevanz besteht einerseits in der Beurteilung der veränderten Unfallmechanik mit oder ohne solcher Systeme, was einen zwangsläufig in die Lage bringt die Wirksamkeit der verschiedenen System beurteilen zu müssen und das dürfte kaum machbar sein. Andererseits, und das erscheint vordergründig relevanter, stellt sich die Frage der schonenden Abnahme solcher Systeme. Die Helmabnahme, die schon seit Jahren bereits Ersthelfern geschult wird, ergänzt sich hier um die Abnahme solcher HWS-Schutzsysteme um eine adäquate HWS-Immobilisation und weitere Versorgung zu ermöglichen.

Nun sind diese Systeme je nach Hersteller sehr unterschiedlich und somit auch unterschiedlich abzunehmen sodass hier keinerlei Empfehlungen abgegeben werden können. Vielmehr soll dieser Artikel auf die Problematik aufmerksam machen und etwas sensibilisieren.

Eines dieser Produkte ist das Leatt-Brace das hier stellvertretend erwähnt sei. Dieses Produkt wurde von KTM und BMW gemeinsam entwickelt und von KTM wurden uns freundlicherweise Unterlagen und Bilder zur Verfügung gestellt die hier etwas in die Thematik einführen sollen.

Nach Angaben des Herstellers soll das Leatt-Brace, nach aktuellem Stand der Wissenschaft und Technik, im Falle eines Sturzes Schutz vor:

Der grundlegende Ansatz besteht darin, die unkontrollierte Bewegung des Kopfes/Helmes im Falle des Sturzes kontrolliert zu stoppen. Dies wird bewirkt durch folgende Merkmale:

leatt-brace_2.jpg

Betrachtet man die Bilder und liest sich etwas in die Bedienungsanleitung (im Downloadbereich unter der Rubrik „Skripten" erhältlich) ein, so stellt sich gleich die Frage wie ein solches System so schonend wie möglich einem, am Boden liegenden Notfallpatienten, abgenommen werden kann. Es scheint als wäre das Leatt-Brace nur in Seitenlage des Patienten adäquat abnehmbar was mit Sicherheit eine Herausforderung bei der Versorgung darstellt.

open_leatt-brace.jpg

Erschwerend ist bei diesen Systemen auch die Produktvielfalt die je nach Hersteller vom einfachen Schaumstoffkragen bis zum, im Versuchslabor entwickelten High-Tech-Produkt, reichen. Sind bei Sturzhelmen die Verschlusssysteme in der Regel sehr ähnlich und die Methodik zum Abnehmen immer die gleiche so sind die Verschlussmechanismen der HWS-Schutzsysteme sehr unterschiedlich und somit auch die Möglichkeiten solche Systeme abzunehmen.

Da solche HWS-Schutzsysteme noch nicht sehr weit verbreitet sind fehlen uns leider praktische Erfahrungen im Umgang mit solchen. Vielleicht hatte einer unserer Leser schon mal mit so etwas zu tun und kann uns seine Erfahrungen berichten.

Jedenfalls ist es sicher von Vorteil bereits im Vorfeld von solchen Systemen gehört zu haben und sich vielleicht etwas damit beschäftigt zu haben!