OSLO — Bei der kardiopulmo­nalen Reanimation legt man in aller Regel einen Zugang und gibt Adrenalin — schließ­lich steht es so in den Leitlinien. Doch laut einer aktuellen Studie bessert dies weder das Überleben in der Klinik noch das im ersten Jahr danach.

Adrenalin soll die Durchblutung von Herz und Hirn durch eine Zen­tralisierung des Kreislaufs verbes­sern. In einer großen retrospektiven Studie mit Patienten nach Herzstill­stand war Adrenalin dagegen ein unabhängiger Prädiktor für einen ungünstigen Ausgang. Möglicher­weise beeinträchtigt es die myo­kardiale Funktion und die zerebrale Mikrozirkulation.

Um herauszufinden, was die i.v.­Medikamentengabe im Rahmen ei­ner kardiovaskulären Reanimation tatsächlich leistet, führte das Team um Dr. THERESA OLASVEENGEN vom Institute for Experimental Me­dical Research der Universitätskli­nik Oslo eine prospektive, rando­misierte Studie mit Patienten durch, die in einem ambulanten Setting ei­nen Herzstillstand erlitten hatten und wiederbelebt werden mussten.

418 Teilnehmer erhielten Medika­mente i.v. (meist Adrenalin), 433 ver­abreichte man kein i.v.-Arzneimit­tel. Primärer Studienendpunkt war die Zahl der Kranken, die nach dem Ereignis die Klinik lebend verlassen konnten. Zu den sekundären End­punkten zählten u.a. die Ein-Jahres­Überlebensrate und das Überleben mit gutem neurologischen Ergeb­nis. Zwar hatten etwas mehr Pati­enten nach i.v.-Arzneigabe bis zur Klinikaufnahme einen Spontankreis­lauf erreicht als solche ohne (9,8 % vs. 8,1 %). Doch führte die i.v.-The­rapie weder zu einer statistisch sig­nifikanten Verbesserung des Anteils der Patienten, welche die Klinik le­bend verlassen konnten, noch zu ei­ner signifikant verbesserten Ein-Jah­res-Überlebensrate, heißt es in der Zeitschrift „JAMA". Die Autoren hal­ten größere Studien für gerechtfer­tigt, in denen Reanimationen ohne i.v.-Zugang und -Medikamentenga­be geprüft werden sollten.

Theresa M. Olasveengen et al., JAMA 2009; 302: 2222 - 2229