Ein alarmierendes Fallbeispiel: Die 63-jährige Patientin war wegen einer schmalkomplexigen Tachykardie in die Notaufnahme geraten. Die Kollegen auskultierten die Karotiden, konstatierten „Ausschluss einer Stenose" und massierten zehn Sekunden den Karotissinus – mit Erfolg, was das Herzrasen anging. Das EKG zeigte einen normfrequenten Sinusrhythmus, doch kurze Zeit später entwickelte sich ein schwerer Schlaganfall mit Hemiparese.

Mit der Karotissinusmassage sollte man noch wesentlich zurückhaltender sein als bisher, so Prof. Dr. Thorsten Lewalter von der Kardiologischen Abteilung im St. Marien- Hospital Bonn. Prof. Lewalter rät nach jahrelanger Erfahrung in der Tachykardie-Terminierung, das Verfahren nur noch bei Patienten unter 40 Jahre anzuwenden. Bei allen anderen greift er nach erfolglosem Valsalva-Manöver gleich auf Adenosin zurück. Fragen Sie den Betroffenen aber zuerst, ob er Kaffee getrunken hat!

In einer Studie mit 68 Teilnehmern gelang es mit dem 6-mg-Adenosin-Bolus signifikant schlechter, die Arrhythmie zu durchbrechen, wenn ein Patient in den vier Stunden zuvor Koffein genossen hatte. Fazit: Wurde in den letzten vier Stunden Kaffee getrunken, sollte man laut Prof. Lewalter gleich mit der 12-mg-Portion Adenosin beginnen.