Ecstacy_monogram Der 19-Jährige hat in der Disco getanzt bis zum Umfallen – beflügelt von Ecstasy. Jetzt liegt er halb weggetreten und völlig exsikkiert auf dem Sofa, und Sie sollen helfen. Wissen Sie, was im Ecstasy-Notfall zu tun ist?
Wer eine Ecstasy-Pille schluckt, darf nach etwa einer Stunde mit der erwünschten Wirkung rechnen. Der Inhaltsstoff MDMA (Methylen- dioxy-methamphetamin) beschert dem Konsumenten Entspannung, seelische Ausgeglichenheit, höheres Selbstwertgefühl, milde Euphorie und Ekstase sowie intensive Gefühle von Liebe und Fürsorge.

Antriebssteigerung & unerschöpliche Energie

„Sie verlieben sich in Ihren Nachbarn oder den Tisch, an dem Sie gerade sitzen oder in den Feuerlöscher", schilderte der Fachdozent für Pharmakologie Matthias Bastigkeit überzeichnend den kritiklosen Glückszustand. Darüber hinaus bewirkt MDMA eine unerschöpfliche Energie- und Antriebssteigerung – perfekt für jede Technoparty. Freigesetzt werden große Mengen von Adrenalin sowie Serotonin, was den glückseligen Zustand bedingt.

Adrenalin lässt Blutdruck und Herzfrequenz steigen und mindert gleichzeitig das Durstgefühl. Am Ende resultiert der Exsikkose-Notfall in der Disco, wenn ein Konsument Stunden um Stunden agitiert getanzt hat. „Wie behandeln Sie den jungen Mann mit den stehenden Hautfalten?", fragte der Referent ins Auditorium beim Süddeutschen Kongress für aktuelle Medizin. „Ringer geben", antwortete ein Kollege. „Nein, genau das nicht", warnte Matthias Bastigkeit. Denn der Ecstasy- Notfallpatient hat in der Regel eine Hyponatriämie und eine Hyperkaliämie. Daher sollte man keine kaliumhaltigen Infusionen, sondern 0,9%iges NaCl geben.

Hyperthermie, Erregung & Arrhythmien zähmen

Bei einer Hyperthermie über 40 °C setzt man Kältepacks ein. Gegen Erregungszustände und Krämpfe hilft Midazolam. Um Hochdruck und Arrhythmien zu bekämpfen, gilt es, das Adrenalin zu blockieren. „Ideal sind Substanzen mit kurzer Halbwertszeit wie Esmolol, haben Sie das nicht zur Hand, geht auch Metoprolol", erklärte der Referent. Weitere Maßnahmen müssen gegebenenfalls in der Klinik erfolgen, zum Beispiel die Gabe von Dantrolen bei schwerer Hyperthermie.

Tod durch Leberschäden

Gleiches gilt für die Behandlung schwerer Komplikationen wie Rhabdomyolyse und Leberkoma. Die Hepatotoxizität von MDMA und seinen Derivaten wird häufig unterschätzt, schreibt M. Bastigkeit in seinem Buch „Rauschdrogen- Drogenrausch"1. Bei fast allen Todesfällen im Zusammenhang mit Ecstasy seien schwere Leberschäden nachweisbar. Und britische Autoren berichteten, dass von acht Patienten mit akutem Leberversagen nach Ecstasy- Konsum drei eine neue Leber brauchten.

Dr. Carola Geßner - Medical Tribune 04-2011

1 Matthias Bastigkeit: Rauschdrogen- Drogenrausch, Stumpf+Kossendey GmbH, 2003,
ISBN-13: 978-3-932750-84-7