ImageDie Herzdruckmassage ist ein wesentlicher Teil der Reanimation und erfüllt den Zweck der koronaren sowie cerebralen Durchblutung. Mit Veröffentlichung der ERC-Guidelines im November 2005, wurde die Herzdruckmassage wieder in den Mittelpunkt der Reanimation gestellt. Da jede Pause zu einem drastischen Abfall der koronaren Durchblutung führt, sollten Unterbrechungen der Herzdruckmassagen auf ein Minimum reduziert werden. Diese Zielsetzung ist aus praktischer Sicht sehr ambitioniert, da vorallem in der präklinischen Versorgung immer wieder Störungen jeglicher Art auftreten.
 
 
Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick über die Durchführung einer effektiven Herzdruckmassage, wobei ich hierzu eine Studie von Del Guercio, Feins, Cohn, Coumaraswamy, Wollmann und State erwähnen möchte. In dieser Studie (Titel "comparison of blood flow during external and internal cardiac massage") wurde festgestellt, dass bei ausgezeichneter Durchführung der manuellen Thoraxkompression ein koronarer bzw. cerebraler Durchblutungsgrad von 30% erreicht werden kann. Diese 30% sollten das Ziel jeder Reanimation sein, denn sie ermöglichen ein Überleben des Patienten.

Die Maßnahmen der Herzdruckmassage in den ERC-Richtlinien 2005 wurden zwar vereinfacht, trotzdem gilt es einige Punkte für eine effektive Thoraxkompression zu beachten:

1) Druckpunkt
Der richtige Druckpunkt liegt "in der Mitte der Brust", wobei dieser so rasch wie möglich aufgesucht werden soll. In den neuen Richtlinien wurde das "Ausmessen des Druckpunktes" zu Gunsten der unterbrechungsfreien Herzdruckmassage weggelassen. Es gibt keine wissenschaftliche Beweise, dass eine bestimmte Position effektiver wäre.

2) Kompressionsfrequenz = 100 pro Minute
Die Kompressionsfrequenz bezieht sich auf die Geschwindigkeit, mit der die Herzdruckmassage durchgeführt werden muss. "100 pro Minute" bedeutet also nicht, dass ich tatsächlich 100 Herzdruckmassagen in 1 Minute zustande bringe, da ja nach 30 Herzdruckmassagen (beim Erwachsenen) 2 Beatmungen erfolgen. Berücksichtigt man Beatmungen, den Einsatz eines Defibrillators,..., so erreicht man im Durchschnitt eine Kompressionsfrequenz von "nur" 64 Herzdruckmassagen pro Minute.

3) Kompressionstiefe = 4-5 cm
Das Sternum ist bei jeder Thoraxkompression unbedingt 4-5 cm tief einzudrücken.

4) Entlastung des Brustkorbs
Nach jeder Kompression ist der Brustkorb zu entlasten, d.h. es darf kein Druck mehr auf das Sternum ausgeübt werden, wobei jedoch der Kontakt zwischen Hand und Brustwand nicht gelöst werden soll.

5) Be- und Entlastungsphase dauern gleich lang
Die Kompression und die Entlastung des Brustkorbs sollten zeitlich gleich lange dauern.

6) Die Unterbrechungen der Thoraxkompressionen müssen auf ein Minimum reduziert werden.

7) Kein Tasten des Carotis- oder Femoralispuls
Da das Tasten des Carotis- bzw. Femoralispulses keine eindeutige Aussage über einen effektiven arteriellen Blutfluss erlaubt, ist diese zu unterlassen. Neben einer unsicheren Aussage über den Kreislauf wird zusätzlich auch gegen Punkt 6 verstoßen, dass die Unterbrechungen auf einen Minimum reduziert werden müssen.

8) Harte Unterlage zur Herzdruckmassage
Da eine effektive Hämodynamik nur erreicht werden kann, wenn der Patient auf einer harten Unterlage liegt - ist diese Regel unerlässlich. Das heißt keine Reanimation im Bett, Sofas,...

9) Regelmäßiges Wechseln im Reanimationsteam
Auch wenn die Praxis andere Bilder zeigen, ist ein regelmäßiger Tausch im Reanimationsteam unabdingbar. In der 1. Minute erreichen Profis eine Effektivität der Thoraxkompression von 92,9%. Diese Zahlen sinken im Minutentakt: 2. Minute 67,1%, 3. Minute 39,2%, 4. Minute 31,2% und 5. Minute 18%. (Hightower, Thomas, Stone, Dunn, March - decay in quality of closed-chest compressions over time)
 
Zusammenfassend möchte ich noch sagen, dass die Herzdruckmassage unter den Punkt der Routinemaßnahmen fällt und doch eine enorme Auswirkung auf das Überleben eines Patienten hat. Deshalb ist es sehr wichtig, oben angeführte Punkte in die Praxis umzusetzen. Teamwork ist auch hier angebracht - sei es in Form eines öfteren Wechselns innerhalb des Herzalarm-Teams oder durch das Geben einer Rückmeldung an denjenigen der die Herzdruckmassage durchführt.

Quellen:
- ERC-Guidelines 2005 - deutsche Übersetzung, Springer-Verlag
- Hightower D, Thomas SH, Stone CK, Dunn K, March JA, Decay in quality of closed-chest compressions over time, Department of Emergency Medicine, East Carolina Univ. Sch. of Medicine, Geenville, NC USA
- Böhmer, Schneider, Wolcke - Reanimation '06, Naseweis Verlag
- Abella et al, Chest Compression Rates During Cardiopulmonary Resuscitation Are Suboptimal, Circulation 2005