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Wer schon Opioide schluckt, sollte tunlichst die Finger von Benzodiazepinen lassen. Für Ärzte gilt es, eine Doppelverordnung zu vermeiden.
Benzodiazepine waren 2017 in den USA bei mehr als jedem fünften Todesfall durch Opioid-Überdosierungen beteiligt, berichtete Professor Dr. Geert­ Dom, Psychiater an der Universität Antwerpen. Die Benzodiazepin-Beteiligung an den Opioidtodesfällen korreliert dabei signifikant mit der Verordnungshäufigkeit von Benzodiazepinen.

Jeder fünfte Drogennotfall mit Sedativa im Blut
Inzwischen wurden die Sedativa teilweise von den Z-Substanzen (z.B. Zolpidem, Zopiclon) abgelöst, die sich zwar chemisch von den Benzos unterscheiden, aber hinsichtlich Sedierung und hypnotischen Effekts ähnlich wirksam sind.

Beide Gruppen finden auch abseits der Medizin missbräuchliche Verwendung. In einer europäischen Studie waren bei fast 20 % der Fälle, die zwischens 2013 und 2015 wegen akuter Toxizität durch nicht-medizinischen Drogenkonsum behandelt wurden, Benzodiazepine und Z-Substanzen im Spiel. Beinahe ein Viertel davon beruhte alleine auf dem Gebrauch der beiden Klassen alleine oder in Kombination. Auch in dieser Untersuchung fand sich eine Korrelation von akuten Einlieferungen und Verkaufszahlen in den einzelnen Ländern. Der nicht-medizinische Gebrauch erhöht deutlich das Risiko für eine Überdosis und einen Tod durch Überdosis, betonte Prof. Dom.

Wie er erklärte, empfiehlt man in den USA, keine Benzodiazepine und Z-Substanzen zu verordnen, wenn der Patient aktuell ein Opioid einnimmt. Wichtig sei grundsätzlich eine leitlinienkonforme Verordnung der Sedativa, was einer französichen Untersuchung zufolge leider in vielen Fällen nicht zutrifft. Idealerweise sollte die Verschreibung unter zentraler Überwachung nur durch einen einzigen Arzt erfolgen.

Quelle: EPA 2020*

* 28th European Congress of Psychiatry, Online Veranstaltung